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Elon Musks SpaceX hat am Dienstag die Übernahme von Anysphere bekannt gegeben, dem Unternehmen hinter dem KI-Coding-Assistenten Cursor. Der Deal im Volumen von 60 Milliarden Dollar (rund 51,7 Milliarden Euro) ist als reiner Aktientausch strukturiert und soll SpaceX eine stärkere Position im Markt für Unternehmens-KI verschaffen – einem Bereich, in dem Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic bereits früh kommerzielle Erfolge erzielen konnten.
Die Ankündigung erfolgt nur fünf Tage nach dem spektakulären Börsengang von SpaceX, der das Unternehmen mit mehr als zwei Billionen Dollar bewertete und zum größten IPO der Geschichte machte. SpaceX hatte sich bereits im April eine Option gesichert, Cursor entweder für 60 Milliarden Dollar zu übernehmen oder alternativ zehn Milliarden Dollar für eine engere Partnerschaft zu zahlen.
Ein Aktiendeal mit strategischer Tiefe
Laut einer Pflichtmitteilung haben beide Seiten einen Fusionsvertrag unterzeichnet. Die SpaceX-Tochter X67 Inc. wird mit Anysphere verschmolzen, sodass Cursor als hundertprozentige Tochtergesellschaft von SpaceX geführt wird. Die Anteilseigner von Anysphere erhalten im Gegenzug SpaceX-Aktien der Klasse A, deren Anzahl auf Basis des siebentägigen volumengewichteten Durchschnittskurses vor Abschluss berechnet wird.
Der Zusammenschluss soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen sein, vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden. Sollte der Deal aus regulatorischen Gründen scheitern, sieht die Vereinbarung eine Gebühr von vier Milliarden Dollar vor. Bei einer Kündigung aus anderen Gründen fallen zehn Milliarden Dollar an.
Cursor: Vom Startup zum Milliarden-Player
Das 2022 in San Francisco gegründete Unternehmen Anysphere hat mit Cursor einen der populärsten KI-Programmierassistenten auf den Markt gebracht. Das Tool automatisiert große Teile der Softwareentwicklung und hat den Trend des sogenannten „Vibe Coding“ populär gemacht, bei dem KI auf Basis natürlicher Sprachbefehle selbstständig Code schreibt, testet und optimiert.
Cursor wächst rasant: Nach Unternehmensangaben, die Reuters vorliegen, beläuft sich der annualisierte Umsatz im Geschäft mit Unternehmenskunden auf rund 2,6 Milliarden Dollar. Zuvor hatte das Startup bereits mehr als drei Milliarden Dollar von Investoren eingesammelt, darunter Nvidia, die Google-Mutter Alphabet und der Venture-Fund von OpenAI.
Colossus trifft Cursor
Ein zentrales Element der Übernahme ist der Zugang zu SpaceX‘ Supercomputer Colossus. Der Verbund aus rund einer Million H100-äquivalenten Grafikprozessoren soll Cursor die nötige Rechenleistung verschaffen, um seine KI-Modelle massiv zu skalieren. „Die Kombination von Cursors führendem Produkt und seiner Vertriebsreichweite mit SpaceX‘ Colossus-Supercomputer wird es uns erlauben, die weltweit nützlichsten Modelle zu bauen“, teilte das Unternehmen mit.
Für xAI, den Entwickler des Grok-Chatbots, der im Februar mit SpaceX fusionierte, bedeutet der Deal einen wichtigen Schritt nach vorn. Bislang lag xAI im Bereich der KI-gestützten Programmierung hinter der Konkurrenz zurück. Gleichzeitig erhält Cursor Zugriff auf die Recheninfrastruktur, die für die Weiterentwicklung seiner Modelle notwendig ist.
Marktreaktion und Ausblick
Die SpaceX-Aktie legte im vorbörslichen Handel um knapp zehn Prozent zu und steuerte auf einen Börsenwert von über 2,8 Billionen Dollar zu – genug, um Amazon zu überholen und zum fünftwertvollsten Unternehmen der Welt aufzusteigen. Seit dem IPO-Kurs von 135 Dollar hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt.
Parallel zur Übernahme hat SpaceX in den vergangenen Wochen Verträge mit Anthropic und Google über die Vermietung von Cloud-Computing-Kapazitäten im Wert von insgesamt rund 26 Milliarden Dollar pro Jahr abgeschlossen. Beide Vereinbarungen enthalten 90-tägige Kündigungsklauseln, die es SpaceX ermöglichen, Rechenkapazitäten bei Bedarf kurzfristig zurückzufordern.
Ob die Übernahme Auswirkungen auf diese Vermietungsverträge haben wird, ist bislang offen. Klar ist jedoch: Mit dem Cursor-Deal unterstreicht SpaceX seinen Anspruch, nicht nur im Weltraum, sondern auch im KI-Markt ganz vorne mitzuspielen.