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Was 2024 mit Applaus auf der CES begann, endete für viele Tech-Beobachter im Scherbenhaufen: Das Rabbit R1 wurde als „schlechtestes Gadget des Jahres“ verschrien und versprach mehr als es halten konnte. Zwei Jahre und über 40 Software-Updates später präsentiert sich das orangefarbene Gerät in einem völlig neuen Licht. rabbitOS 2.2, das seit dem 18. Juni ausgerollt wird, integriert Claude Code, holt den Terminal-Modus zurück und bringt die Kamera auf ein neues Niveau. Ein Blick auf das, was Rabbit aus seinem ambitionierten KI-Experiment gemacht hat.

Vom Flop zum Design-Preisträger

Die ersten Wochen nach dem Launch im April 2024 waren für Rabbit Inc. eine Zerreißprobe. Der versprochene Large Action Model (LAM)-Agent arbeitete nicht zuverlässig, die Akkulaufzeit enttäuschte und viele Kernfunktionen fehlten. 10.000 vorbestellte Geräte standen einem Produkt gegenüber, das schlicht nicht fertig war. Doch anders als der ebenfalls gefloppte Humane AI Pin gab Rabbit nicht auf. Das Team um Gründer Jesse Lyu lieferte Woche für Woche Updates – über 40 Stück in zwei Jahren. Aus einem Minimum Viable Product wurde Schritt für Schritt ein funktionierendes Ökosystem. Der große Meilenstein war rabbitOS 2 im September 2025, das die Benutzeroberfläche komplett neu erfand: weg von der textlastigen Ansicht, hin zu einem kartenbasierten Multi-Agenten-System mit Vibe-Coding-Fähigkeiten. Die Design-Qualität des von Teenage Engineering mitgestalteten Geräts wurde mit dem Red Dot „Best of the Best“ und dem iF Design Award ausgezeichnet.

rabbitOS 2.2 – Claude Code, Terminal und mehr

Die aktuellste Version rabbitOS 2.2, die seit dem 18. Juni 2026 ausgeliefert wird, markiert einen weiteren Wendepunkt. Die wichtigste Neuerung ist die direkte Integration von Claude Code, dem KI-Coding-Assistenten von Anthropic. Wer den Rabbit-Agenten über das Rabbithole auf dem PC installiert hat, kann per doppeltem Swipe nach links auf dem R1-Homebildschirm auf Claude Code zugreifen – inklusive vollständiger Sprachsteuerung. Neue Sessions starten, bestehende fortsetzen, Builds prüfen: alles vom kleinen orangefarbenen Gerät aus.

Parallel feiert der Terminal-Mode sein Comeback, der mit rabbitOS 2 kurzzeitig verschwunden war. Er unterstützt jetzt nicht nur Claude Code, sondern auch den Rabbit-Agenten und OpenClaw. Ergänzt wird das Update durch Image Gen 2 in der Magic Camera, ein neues KI-Modell, das Fotos kreativ transformiert, sowie neu anordenbare Creations-Karten und einen Docked Mode, der das Display bei angeschlossenem Strom dauerhaft aktiv hält. Auch kleinere Details wie ein überarbeiteter Memory-Refresh-Sound und Musik-Playback-Fixes für Spotify und Apple Music sind an Bord.

DLAM – der R1 als Computer-Controller

Seit Januar 2026 erweitert DLAM (Does Lots of Amazing Magic) die Fähigkeiten des R1 grundlegend. Per USB-Kabel an den Computer angeschlossen, kann DLAM den Bildschirm sehen und eigenständig Aktionen ausführen – ohne jegliche Installation oder Konfiguration. Ob einfache Browser-Aufgaben („Füge Cola im Amazon-Warenkorb hinzu“) oder komplexe Multi-App-Workflows („Erstelle eine Excel-Tabelle mit Aktiendaten und schicke sie als PDF“): DLAM führt die Befehle per Sprach- oder Texteingabe aus. Dazu kommt die Integration des Open-Source-Agent-Gateways OpenClaw, das über die Sprachsteuerung des R1 agiert und erweiterte Agenten-Fähigkeiten wie Echtzeit-Webzugriff und Browser-Steuerung ermöglicht.

Zwischen Nischenprodukt und Werkzeug

Trotz aller Fortschritte bleibt das Rabbit R1 ein Nischenprodukt. Der Massenmarkt hat das Gerät nie erreicht, und die versprochene „Post-App-Ära“ ist für die meisten Nutzer noch in weiter Ferne. Die Leistungsfähigkeit von DLAM und Claude Code hängen maßgeblich von externen Diensten ab, und die Reaktionszeiten sind nicht mit einem Smartphone vergleichbar. Doch Rabbit hat etwas Seltenes geschafft: Nach einem katastrophalen Start durchgehalten, zugehört und kontinuierlich geliefert. Die Community ist überschaubar, aber loyal – und mit Project Cyberdeck, einem angekündigten portablen Vibe-Coding-Gerät mit mechanischer Tastatur, zeigt Rabbit, dass es langfristig denkt.

Mehr als eine Tech-Kuriosität

Das Rabbit R1 von 2026 ist nicht mehr das Produkt, das 2024 ausgeliefert wurde. Es ist das Ergebnis von zwei Jahren intensiver Iteration und einer beeindruckenden Update-Disziplin. Rabbit hat gezeigt, dass sich ein KI-Gerät auch nach einem katastrophalen Start retten lässt – vorausgesetzt, das Team hört zu und liefert. Mit rabbitOS 2.2, DLAM, OpenClaw und Project Cyberdeck am Horizont ist das R1 eine der wenigen echten Erfolgsgeschichten in der jungen Geschichte dedizierter KI-Hardware. Ob es für den Durchbruch beim Massenpublikum reicht, wird sich zeigen – aber als Tech-Enthusiast sollte man diesen orangefarbenen Außenseiter nicht unterschätzen.

Rabbit R1: Barely Reviewable - MKBHD
Auch MKBHD hat ein Video zum Rabbit R1 veröffentlicht, welches äußerst sehenswert ist.
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