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Ein einziger Tweet von Riot Games hat eine Welle der Empörung ausgelöst. "Congrats to the owners of a brand new 6k paperweight", hieß es seitens des Valorant-Entwicklers – eine Anspielung auf teure DMA-Cheat-Geräte, die durch ein Vanguard-Update unbrauchbar geworden waren. Während die einen darin einen erfolgreichen Schlag gegen Cheater sahen, interpretierten viele Spieler die Aussage als Eingeständnis: Valorants Anti-Cheat Vanguard könne willkürlich Hardware zerstören. Riot stellte wenig später klar: "Nein, wir brickten nicht euren PC." Doch wie der Sicherheits-YouTuber PC Security Channel in einem aktuellen Video zeigt, ist die Antwort differenzierter, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.
congrats to the owners of a brand new $6k paperweight https://t.co/3rjZVQntrc pic.twitter.com/fS3JC0FL0p
— Riot Games (@riotgames) May 21, 2026
Ein Tweet und seine Folgen
Auslöser der Debatte war ein Vanguard-Update, das Direct-Memory-Access(DMA)-Cheatgeräte blockierte. Diese externen Hardware-Karten, die für rund 6000 US-Dollar im Handel erhältlich sind, erlaubten es Cheatern, auf den Arbeitsspeicher des Systems zuzugreifen, ohne dass der Anti-Cheat dies verhindern konnte. Riot Games feierte die Blockade öffentlich – und erntete umgehend Gegenwind. Auf Plattformen wie Reddit und in Gaming-Foren machte das Gerücht die Runde, Vanguard könne nicht nur Cheat-Hardware, sondern auch legitime PCs unbrauchbar machen. Riot stellte daraufhin klar, dass man keine Computer oder deren Komponenten beschädige. Die Unterscheidung zwischen Cheatgerät und Spieler-PC ging in der hitzigen Diskussion jedoch häufig unter.
VGK.sys – Ein Treiber mit tiefstem Systemzugriff
Der Sicherheitsforscher nahm Vanguards Kernkomponente VGK.sys genauer unter die Lupe. Mit Hilfe des Forensik-Tools CFF Explorer analysierte er den Kernel-Mode-Treiber, der nach der Installation von Valorant tief im Windows-System verankert ist. Das Ergebnis: VGK.sys importiert fast ausschließlich Funktionen aus dem Windows-Kernel ntoskrnl.exe. Dazu gehören IO-Funktionen zur Prozess- und Dateiverwaltung sowie Memory-Management-Routinen wie UnmapLockedPages.
Alle diese Operationen laufen mit den höchsten Systemrechten ab, was den Treiber einerseits effektiv gegen Cheats macht, ihn aber auch zu einer potenziellen Schwachstelle werden lässt. "Wenn dieser Treiber aus irgendeinem Grund abstürzt oder nicht laden kann, kann er dein System tatsächlich lahmlegen", erklärt der YouTuber in seinem Video. Dass es sich dabei nicht um eine hypothetische Gefahr handelt, zeigt er an einer virtuellen Maschine: Nach der Installation von Vanguard verweigert das System den Bootvorgang komplett, weil die Hardware nicht mit dem Anti-Cheat kompatibel ist.
Der CrowdStrike-Vergleich
Besonders deutlich wird das Risiko im Vergleich zum CrowdStrike-Vorfall aus dem Jahr 2024. Ein fehlerhaftes Update des Sicherheitsanbieters legte damals Millionen von Windows-Systemen weltweit lahm, brachte Fluggesellschaften zum Stillstand und sorgte für Chaos an Flughäfen. Die Ursache: ein Kernel-Treiber mit einem Bug.
"Valorant könnte technisch das Gleiche tun", warnt PC Security Channel. Sollte Riot Games ein fehlerhaftes Update für VGK.sys ausrollen, könnte dies Systeme bootunfähig machen. Auch inkompatible Software oder Hardwareänderungen am eigenen PC könnten zu Konflikten mit dem tief im System verwurzelten Treiber führen. In vielen Fällen bliebe dann nur die Neuinstallation von Windows.
Gebrickter PC oder gebrickte Hardware?
Die zentrale Frage der Debatte ist eine Definitionsfrage. Riot Games betont, dass Vanguard keine dauerhaften Schäden an Hardware verursacht. Weder Mainboard noch Grafikkarte oder Festplatte werden durch den Anti-Cheat zerstört. Der Sicherheitsforscher bestätigt dies – weist jedoch darauf hin, dass ein System, das nicht mehr bootet und eine Windows-Neuinstallation erfordert, für die meisten Nutzer faktisch gebrickt ist. Der Unterschied zwischen einer temporären Boot-Unfähigkeit und einer permanenten Hardware-Zerstörung mag technisch korrekt sein, für den betroffenen Spieler ist er jedoch akademisch.
Ein dediziertes System für Riot?
PC Security Channel zieht einen interessanten Vergleich: Vanguard behandele den Rechner des Spielers wie ein Turniersystem. Auf Esports-Veranstaltungen laufen Computer, die nur für ein einziges Spiel optimiert und von anderen Anwendungen isoliert sind. Genau dieses Modell erwarte Vanguard auch auf dem heimischen Rechner. "Dein Computer gehört dann vollständig Riot Games", fasst der Sicherheitsforscher zusammen – für den Anti-Cheat, aber auch für die Kontrolle darüber, was auf dem System läuft.
Während dieses Konzept auf professionellen Turnieren sinnvoll sei, stelle sich die Frage, ob Millionen von Gelegenheitsspielern dieser tiefgreifenden Kontrolle ausgesetzt sein sollten. Die Entscheidung darüber müsse jeder Spieler für sich treffen.
Ein wirksamer Schutz mit Nebenwirkungen
Valorants Vanguard ist ein hochwirksamer Anti-Cheat, der auf Kernel-Ebene arbeitet und Cheatern das Leben schwer macht. Dass ein Treiber mit solch tiefen Systemrechten auch Risiken birgt, ist unbestreitbar. Riot Games hat technisch gesehen recht: Vanguard zerstört keine Hardware. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein fehlerhaftes Update oder eine Inkompatibilität das System lahmlegt, ist jedoch real – und der CrowdStrike-Vorfall hat gezeigt, wie verheerend die Folgen sein können.