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Waymo hat knapp 3.900 seiner fahrerlosen Robotaxis zurückgerufen. Der Grund: Die Fahrzeuge der fünften Generation fuhren wiederholt in gesperrte Autobahnbaustellen – teilweise mit hohem Tempo. Wie aus Unterlagen der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hervorgeht, die TechCrunch ausgewertet hat, dokumentierte das Alphabet-Tochterunternehmen mindestens 13 Vorfälle in Arizona und Kalifornien. Es ist der sechste Rückruf des Robotaxi-Pioniers innerhalb der vergangenen zwei Jahre.
Blind für Baustellen
Laut dem bei der NHTSA eingereichten Rückrufbericht ereigneten sich sechs der Vorfälle im April in Phoenix, Arizona. Weitere sieben folgten im Mai in der San Francisco Bay Area. Die Software der Waymo-Fahrzeuge priorisierte das Ausweichen vor anderen Highway-Gefahren und/oder erkannte die Baustelle nicht, wie es in den Unterlagen heißt. Konkret fuhren die Robotaxis an Absperrungen und Leitkegeln vorbei in aktiv gesperrte Fahrspuren – in einem Fall berichtete ein Fahrgast gegenüber CBS News, das Fahrzeug sei mit hohem Tempo durch die Absperrungen gebrettert. Waymo schränkte den Autobahnbetrieb bereits am 19. Mai freiwillig ein.
Das Unternehmen betonte in einer Stellungnahme, dass man ein Software-Update entwickle, um das Problem zu beheben. Bis dahin bleiben die Fahrzeuge auf Autobahnen außer Betrieb. Waymo erklärte gegenüber TechCrunch, man habe freiwillig den Autobahnbetrieb eingeschränkt, während wir Verbesserungen vornehmen, und sowohl staatliche als auch bundesstaatliche Aufsichtsbehörden proaktiv informiert.
Schon der sechste Rückruf innerhalb von zwei Jahren
Der aktuelle Rückruf ist der sechste, den Waymo für seine Robotaxiflotte auslösen musste. Erst im Mai 2026 rief das Unternehmen rund 3.800 Fahrzeuge zurück, nachdem eines auf eine überflutete Straße gefahren war. Bereits im Dezember 2025 gab es einen Rückruf wegen Fehlverhaltens der Fahrzeuge im Umfeld von Schulbussen. Waymo hatte zuvor zudem Probleme mit Masten und Telefonmasten sowie mit abgeschleppten Fahrzeugen per Software-Update behoben.
Parallel dazu läuft eine Untersuchung der NHTSA und des National Transportation Safety Board (NTSB) zu einem Vorfall im Januar 2026, bei dem ein Waymo-Robotaxi nahe einer Grundschule in Santa Monica ein Kind anfuhr und leicht verletzte. Waymo selbst verweist auf eine Unfallstatistik, die eine 13-fache Reduzierung von Unfällen mit schweren Verletzungen im Vergleich zu menschlichen Fahrern ausweise – bei über 270 Millionen autonom gefahrenen Kilometern.
Expansion auf der Autobahn bleibt Herausforderung
Waymo bietet erst seit November 2025 Fahrten auf US-amerikanischen Autobahnen an. Zuvor konzentrierte sich das Unternehmen fast ausschließlich auf innerstädtische Straßen. Die Umstellung enthüllte eine Reihe von Edge Cases – Randfällen, mit denen die KI des autonomen Fahrsystems nicht zuverlässig umgeht. Die aktuellen Baustellen-Probleme sind ein weiteres Beispiel dafür.
Trotz der Rückschläge treibt Waymo seine Expansion aggressiv voran. Das Unternehmen plant, seinen Dienst noch in diesem Jahr in mehr als 20 Städten anzubieten, darunter internationale Märkte wie London und Tokio. Die neu eingeführten Geely-Vans der sechsten Generation sind vom aktuellen Rückruf laut t3n nicht betroffen.
Autonomes Fahren auf der Autobahn – noch nicht reif für die Praxis?
Der Rückruf von Waymo ist bemerkenswert, weil er die grundlegende Herausforderung des autonomen Fahrens illustriert: Anders als ein menschlicher Fahrer kann die KI noch nicht flexibel auf unerwartete Situationen wie Baustellen reagieren. Waymo geht den richtigen Weg, indem es Software-Updates statt physischer Werkstattbesuche nutzt – das ist schneller und skalierbarer. Doch die Häufung der Rückrufe (sechs in zwei Jahren) zeigt, dass das System noch lange nicht ausgereift ist. Für das Vertrauen der Öffentlichkeit in autonome Fahrzeuge auf Highways ist der Vorfall ein Rückschlag. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Waymo die Probleme mit einem Software-Update endgültig in den Griff bekommt.
Quellen
TechCrunch: „Waymo recalls nearly 4,000 robotaxis to stop them driving into highway construction zones“
t3n: „Erneuter Rückruf bei Waymo: Robotaxis könnten ungebremst in Baustelleneinfahrten fahren“
USA Today: „Waymo recalls nearly 4K robotaxis. Here's why“
Reuters: „Waymo recall over 3,800 robotaxis over risk entering closed construction zones“