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Laut übereinstimmenden Berichten von Bloomberg und The Verge bereitet Microsofts Gaming-Sparte unter der neuen CEO Asha Sharma einen tiefgreifenden Sparkurs vor. Für Juli 2026 sind massive Entlassungen geplant, die Insidern zufolge rund 1.000 Mitarbeiter treffen könnten. Zusätzlich stehen mehrere bekannte Entwicklerstudios vor der Schließung oder dem erzwungenen Verkauf.

Der Xbox Reset: Ein internes Memo schlägt Wellen

In einem internen Schreiben mit dem Titel "Xbox Reset" legten Sharma und Chief Content Officer Matt Booty die wirtschaftliche Schieflage offen. Über 20 Milliarden US-Dollar hat Microsoft demnach in den vergangenen fünf Jahren in Inhalte, Plattformentwicklung und Hardware-Subventionen investiert – der 69 Milliarden Dollar schwere Activision-Blizzard-Kauf nicht eingerechnet. Der jährliche Umsatz sei im selben Zeitraum um fast 500 Millionen US-Dollar gesunken. "So kann das nicht weitergehen", heißt es in dem Memo, das The Verge im Wortlaut vorliegt.

Hardware-Krise als Triebfeder des Sparkurses

Sharma und Booty verweisen auf eine akute Hardware-Krise. Die Komponentenpreise für die Weihnachtssaison 2027 sollen demnach "über das Fünffache der Preise betragen, die wir vor nur zwei Jahren gezahlt haben". Auch die Speicherkosten seien ähnlich stark gestiegen. Microsoft selbst treibt als einer der größten Treiber des KI-Booms die Nachfrage nach diesen Komponenten mit an, wie The Guardian kritisch anmerkt. Die Xbox-Chefin kündigte an, dass man "ein neues Geschäftsmodell und Partnerschaften für Hardware" benötige – ein Hinweis auf mögliche Lizenzmodelle für Dritthersteller.

Betroffene Studios: Ninja Theory, Double Fine und Compulsion Games

Besonders bitter für langjährige Xbox-Fans: Gleich drei renommierte Entwicklerstudios stehen vor dem Aus. Laut Bloomberg verhandeln Ninja Theory (Hellblade), Double Fine (Psychonauts) und Compulsion Games (South of Midnight) mit Microsoft über einen Rückkauf ihrer Unabhängigkeit, um einer vollständigen Schließung zu entgehen. Ninja Theorys Schließung gilt inzwischen als bestätigt. Die Studios wurden von Microsoft erst 2018 und 2019 übernommen und haben mehrfach preisgekrönte Titel abgeliefert. Der Standard spricht angesichts der Entwicklung von einem "drohenden Blutbad" unter den Xbox-Studios.

Führungswechsel an der Spitze

Die angespannte Lage hat bereits personelle Konsequenzen: Craig Duncan, langjähriger Leiter von Xbox Game Studios, und Louise O'Connor, Chief of Staff, haben ihre Positionen aufgegeben. Sharma, die erst vor wenigen Monaten die Gaming-Sparte übernahm, steht vor der Herausforderung, Xbox wirtschaftlich zu sanieren, ohne das Vertrauen der Spieler zu verspielen. Sie hatte sich zuletzt durch Game-Pass-Preissenkungen und die Rückkehr zu Konsolen-Exklusivitäten wie Gears of War: E-Day durchaus Sympathien in der Community erarbeitet.

Viertes Jahr in Folge mit Entlassungen

Falls die geplanten Kürzungen umgesetzt werden, wäre es bereits das vierte Jahr in Folge mit massiven Stellenstreichungen bei Xbox. Schon 2023, 2024 und 2025 hatte Microsoft Tausende Stellen im Gaming-Bereich abgebaut, darunter die Schließung von The Initiative und die Einstellung des Perfect Dark-Reboots im vergangenen Jahr. Kritiker werfen dem Management vor, sich über Jahre zu wenig um die Gaming-Sparte gekümmert zu haben – ein Vorwurf, den The Guardian in einer Analyse aufgreift.

Wohin steuert Xbox?

Die Maßnahmen sind ein harter Einschnitt, der Xbox langfristig wieder wettbewerbsfähig machen soll. Das Ausmaß der Kürzungen zeigt jedoch, wie tief die Krise tatsächlich sitzt. Während der "Xbox Reset" strategisch nachvollziehbar ist, bleibt fraglich, ob die Opfer an der Kreativfront nicht zu groß sind. Für die betroffenen Studios und ihre Mitarbeiter beginnt eine Zeit der Ungewissheit – und für die gesamte Branche ist es ein weiteres Warnsignal in einer ohnehin schwierigen Phase.