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Ein chinesisches Unternehmen, das vor wenigen Jahren noch für günstige Smartphones bekannt war, hat jetzt eine Zahl erreicht, die selbst etablierte Autobauer respektieren dürften: Xiaomi lieferte am 17. August 2026 seine 500.000. SU7-Limousine aus, nur 28,5 Monate nach der ersten Auslieferung. Was wie ein Kuriosum klingt, ist Teil einer größeren Strategie: Der Technologiekonzern will vom Handybauer zum vollständigen E-Mobilitätsanbieter werden und plant für 2027 den Eintritt in den europäischen Markt.
Halbe Million in Rekordzeit
Der Xiaomi SU7 ging im März 2024 an den Start, die ersten Auslieferungen folgten am 3. April desselben Jahres. Seitdem hat das Modell eine Entwicklung durchgemacht, die in der Autobranche beispiellos ist. Laut CnEVPost umfasst die SU7-Reihe mittlerweile drei Varianten: das ursprüngliche Modell, den Hochleistungssportler SU7 Ultra (seit Februar 2025) und die aktualisierte Neuauflage vom März 2026. Zusammen haben diese Modelle die halbe Million geknackt.
Zum Vergleich: Tesla brauchte für die ersten 500.000 Einheiten des Model 3 etwa 36 Monate. Xiaomi hat diese Hürde schneller genommen, obwohl das Unternehmen keinerlei Automotive-Erfahrung mitbrachte und den chinesischen E-Auto-Markt in einer Phase voller Konkurrenz betrat.
Der eigene Showroom als Konkurrenz
Doch die 500.000 erzählen nicht die ganze Geschichte. Wie The Next Web berichtet, sind die SU7-Verkaufszahlen im laufenden Jahr deutlich gesunken: In den ersten sieben Monaten 2026 wurden nur 101.540 Einheiten ausgeliefert – ein Rückgang von 43,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Grund liegt nicht in nachlassender Nachfrage nach Xiaomi-Autos, sondern in einem hausgemachten Effekt: Das YU7-SUV, das im selben Jahr auf den Markt kam, zieht einen großen Teil der Käufer an.
Im Juli 2026 kamen auf 21.044 SU7-Lieferungen bereits 10.223 YU7-Einheiten. Unter dem Strich hat Xiaomi in den ersten sieben Monaten des Jahres 216.322 Fahrzeuge verkauft, ein Plus von 14,8 Prozent gegenüber 2025. Die Limousine verliert also Boden, aber nicht an die Konkurrenz, sondern an den eigenen Showroom.
Jahresziel 550.000: Noch ein weiter Weg
Xiaomi hat für 2026 ein ambitioniertes Ziel von 550.000 Fahrzeugen ausgegeben. Nach sieben Monaten sind davon 39 Prozent erreicht. Rechnerisch müsste das Unternehmen in den verbleibenden fünf Monaten jeweils knapp 67.000 Fahrzeuge ausliefern, um das Ziel noch zu schaffen. Das entspricht mehr als dem Doppelten des aktuellen Tempos von rund 31.000 Einheiten pro Monat.
Dass dieses Ziel nicht unrealistisch ist, zeigt der Blick auf die Modellpalette, die Xiaomi gerade ausbaut. Neben SU7 und YU7 ergänzt die neue Sky Nomad-Reihe das Angebot: Zwei Plug-in-Hybrid-SUVs (EREV) mit bis zu 1.705 Kilometern Reichweite, einem 7-Sitzer N90 Max und einem 5-Sitzer N70 Max. Der N90 Max startet bei 299.900 Yuan (rund 44.190 Euro), der N70 Max bei 259.900 Yuan – beides deutlich unter dem Tesla Model Y L, das in China bei 339.000 Yuan startet.
Europa 2027: Xiaomi greift nach dem Weltmarkt
Was die 500.000er-Marke langfristig bedeuten könnte, hängt stark von Xiaomis nächstem strategischen Schritt ab: Europa. Der Konzern hat bereits 2025 erste Flagship-Stores auf dem Kontinent eröffnet und plant den offiziellen Fahrzeugverkauf ab 2027. Dass europäische Kunden chinesischen E-Autos zunehmend aufgeschlossen gegenüberstehen, zeigen die Zahlen: Im ersten Halbjahr 2026 erreichten chinesische Marken zusammen einen Rekordanteil von 14,2 Prozent am europäischen Elektroautomarkt, ganz ohne Xiaomi.
Der Einstieg in Europa wäre für Xiaomi ein gewaltiger Schritt. Das Unternehmen könnte seine bestehende Bekanntheit aus dem Smartphone- und Smart-Home-Segment nutzen, um für seine Fahrzeuge zu werben. Herausforderungen wie Zölle, lokale Regulierung und der Aufbau eines Service-Netzes bleiben allerdings bestehen.
Vom Smartphone zum E-Auto-Konzern
Xiaomi hat in weniger als drei Jahren bewiesen, dass ein Technologieunternehmen aus dem Consumer-Bereich ernsthaft in die Autobranche eindringen kann. Die 500.000 ausgelieferten SU7 sind ein beeindruckender Meilenstein, auch wenn die Limousine mittlerweile vom eigenen YU7-SUV überflügelt wird. Das Jahresziel von 550.000 Fahrzeugen bleibt ambitioniert, aber mit Sky Nomad und dem geplanten Europa-Start 2027 zeigt Xiaomi, dass die Automobilsparte kein Experiment mehr ist, sondern ein strategischer Geschäftsbereich.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Xiaomi im E-Auto-Markt bestehen kann, sondern wie schnell das Unternehmen seine Reichweite über China hinaus ausdehnt. Wenn die Expansion nach Europa gelingt, könnte der Smartphone-Hersteller innerhalb weniger Jahre zu einem ernstzunehmenden globalen Player in der E-Mobilität werden.