In den letzten Tagen habe ich die neuen Nothing Headphone (a) getestet. Das ist der günstigere Over-Ear-Einstieg von Nothing, einer Marke, die wir hier auf dem Kanal ja schon vom CMF Phone 1 und den CMF Headphones Pro kennen. Laut Hersteller bekommt man hier ANC, LDAC-Hi-Res-Audio und eine absurde Akkulaufzeit, und das alles für 159 Euro. Ich wollte wissen: Wie gut sind sie wirklich, und was hat Nothing im Vergleich zum teureren Headphone (1) weggelassen? Hier ist mein Review.
Unboxing und Lieferumfang
Beim Auspacken ist alles Wesentliche vorhanden und das reicht. Neben den Kopfhörern selbst liegt ein USB-C-Ladekabel bei (sehr gut), kein Micro-USB-Quatsch. Zudem ist ein 3,5-mm-Klinkenkabel für den kabelgebundenen Betrieb enthalten sowie eine weiche Transporttasche. Es ist kein Hardcase, bietet aber zumindest ein bisschen Schutz. Die Verpackung ist typisch für Nothing: schlicht, minimalistisch, aber trotzdem stilvoll.


USB-C-/Klinken-Kabel (links) | Transport-Tasche (rechts)
Design und Verarbeitung
Kommen wir zum Design: hier schlägt das Nothing-Herz wirklich sichtbar. Die Kopfhörer haben dieses charakteristische transparente Kassettendesign, das sofort auffällt und das mir persönlich sehr gut gefällt. Man sieht die Innereien, die Struktur und die kleinen Farbakzente, durch die sich die linke von der rechten Seite unterscheidet. Das ist durchdacht und sieht einfach anders aus als alle anderen Kopfhörer auf dem Markt. In dieser Preisklasse sticht das massiv heraus.
Erhältlich ist er in den Farben Schwarz, Weiß, Pink und als limitierte Edition in Gelb. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.


Kassettendesign mit Akzenten
Nothing setzt hier überwiegend auf Kunststoff, was im direkten Vergleich zum Headphone (1) auffällt. Aber, und das ist wichtig, es ist gut verarbeiteter Kunststoff. Die Knöpfe fühlen sich hochwertig an, nichts knarzt oder wackelt. Mein einziger Kritikpunkt beim Material ist, dass das glänzende Kunststoff Kratzer magisch anzieht. Und ich meine das wörtlich. Direkt nach dem Auspacken habe ich es einmal mit einem Mikrofasertuch abgewischt und schon waren die ersten Kratzer da. Das ist wirklich schwach und für diesen Preis nicht akzeptabel. Gerade die schwarze Variante zeigt auch jeden Fingerabdruck und jedes Staubkorn sofort. Ich werde mich beim nächsten Mal persönlich für die weiße Variante entscheiden, da das deutlich weniger auffällt.


Erste Gebrauchsspuren nach wenigen Stunden Nutzung
Trotzdem ist die Vearbreitung gut und der Dreh-Mechanismus ist aus Metall der dafür sorgt, dass sich die Kopfhörer an jede Kopfform anpassen.
Was den Tragekomfort angeht, sind die Ohrpolster wirklich sehr bequem und schirmen passiv ordentlich ab. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass es darunter schnell warm wird. Das Kopfteil hat mich positiv überrascht, es ist bequemer als erwartet. Allerdings ist die Polsterung oben minimal zu dünn. Nach mehreren Stunden fängt es an, leicht auf dem Kopf zu drücken. Das ist kein Dealbreaker, aber ein Punkt, den man im Hinterkopf behalten sollte.
Bedienelemente und Steuerung
Das Bedienkonzept ist eines der größten Highlights dieses Kopfhörers. Nothing setzt hier auf physische Tasten, sodass lästiges Tippen und Wischen auf Touchflächen entfällt. Ich bin ein riesiger Fan davon.
Auf der rechten Seite befindet sich ein großes Lautstärkerad, das sich drehen und auch eindrücken lässt. Damit lassen sich die Funktionen Play/Pause und ANC steuern. Darunter befindet sich eine Wippe zum Vor- und Zurückskippen von Titeln. Diese Wippe kann bei unterstützten Musik-Apps im Song vor- und zurückspulen. Das ist wirklich ein cooles Feature. Ich muss nicht irgendwo doppelt oder dreifach tippen, um zum nächsten Song zu kommen; einfach kurz drücken, fertig. Das klingt nach einer Kleinigkeit, macht im Alltag aber einen echten Unterschied.
Auf der Unterseite befindet sich der Power-Schalter, der tatsächlich ein physischer Schalter ist, kein langes Gedrückthalten. Das mag ich. Daneben befinden sich der 3,5-mm-Klinken- und der USB-C-Anschluss. Auf der Innenseite befindet sich der etwas versteckte Bluetooth-Button. Den muss man am Anfang kurz suchen, aber sobald man ihn gefunden hat, ist es vollkommen in Ordnung.
Außerdem gibt es auf der Außenseite noch einen Button, der standardmäßig den Sprachassistenten des Smartphones aktiviert. Alle Buttons können in der NothingX-App aber personalisiert werden. Gleich dazu mehr.
Alles in allem ist die Eingewöhnungszeit kurz und danach ist er blind bedienbar. Sehr gut gelöst.


Physische Bedienelemente (links) | Anschlüsse Unterseite (rechts)
Nothing X App
Die Nothing X App kenne ich bereits von den CMF Headphones Pro und sie hat mich erneut positiv überrascht. Die Einrichtung lief reibungslos: Kopfhörer einschalten, kurz warten, schon werden sie automatisch erkannt. Das Firmware-Update verlief ebenfalls problemlos.
In der App gibt es einen 8-Band-Equalizer, mit dem sich der Klang bis ins kleinste Detail anpassen lässt. Besonders gut gefällt mir, dass man eigene Profile teilen oder Profile von anderen Nutzern übernehmen kann. Das ist ein tolles Community-Feature, das ich so bisher kaum woanders gesehen habe. Wer sich nicht selbst durch den Equalizer quälen will, findet schnell ein passendes Profil, das einen spürbaren Unterschied im Klang macht.
Zusätzlich lassen sich die Tastenbelegungen anpassen, der ANC-Modus konfigurieren und Spatial Audio aktivieren.




Nothing X App mit vielen Einstellungsmöglichkeiten und Personalisierungen
Active Noise Cancelling und Transparenzmodus
Für diesen Preis ist das ANC wirklich gut. Da es sich um Over-Ear-Kopfhörer handelt, schirmen die Ohrpolster schon passiv sehr ordentlich ab. Das ist eine wichtige Basis, auf der das ANC aufbaut. Beides zusammen funktioniert gut: Zuggeräusche, Straßenverkehr, Bürolärm – alles wird angenehm gedämpft. Mit den Modellen der Oberklasse von Bose oder Sony kann das ANC natürlich nicht mithalten, für den Alltag und diesen Preis ist es jedoch mehr als ausreichend.
Besonders gefällt mir der adaptive Modus. Zwar passt er sich mit einer kleinen Verzögerung an, analysiert aber die Umgebung und regelt die Stärke der Unterdrückung entsprechend. Das ist ein schönes Detail.
Den Transparenzmodus nutze ich ehrlich gesagt kaum. Es ist für mich schneller, ein Ohrpolster kurz vom Ohr zu nehmen, als den Knopf zu drücken und den Modus zu wechseln. Der Modus selbst funktioniert solide, man hört die Umgebung gut. Die eigene Stimme klingt dabei allerdings etwas verfälscht, was bei Transparenzmodi häufig der Fall ist.


Knopf für Sprachassistent (links) | Bluetooth-Knopf (rechts)
Klangqualität
Klanglich bin ich wirklich sehr positiv überrascht. Die 40-Millimeter-Treiber liefern einen kraftvollen, mitreißenden Sound, der besonders bei modernen Musikstilen überzeugt. Ich höre selbst quer durch alle Genres, von klassischer Musik und Filmscores bis hin zu Rap, Pop, elektronischer Musik und Drum and Bass. Und gerade weil ich ein Fan von gutem Bass bin, freut es mich, dass hier ordentlich Tiefgang vorhanden ist.
Ab Werk ist der Bass sehr dominant, teilweise sogar zu dominant. Aber genau hier kommt der Equalizer ins Spiel: Mit einem angepassten Profil klingt alles ausgewogener und detailreicher. Für den Preis sind die Kopfhörer soundtechnisch definitiv ihr Geld wert, ich würde sogar sagen: mehr als das. Sie sind aber natürlich keine Kopfhörer für Audiophile, schließlich bezahlen wir auch nur 160 € dafür.


Weiche angenehme, aber nicht austauschbare Ohrpolster
Akkulaufzeit und Alltag
Beim Akku setzt Nothing einen neuen Benchmark. Bis zu 135 Stunden ohne ANC und LDAC sind branchenweit einmalig. Mit ANC sind es immer noch rund 50 Stunden, was ebenfalls sehr gut ist.
In der Praxis habe ich die Kopfhörer bisher noch nicht einmal komplett entladen, obwohl ich sie regelmäßig mit aktiviertem ANC genutzt habe. Der Akku hält gefühlt ewig.
Dazu gibt es Schnellladen: 10 Minuten Laden sollen für 10 Stunden Wiedergabe reichen, was in der Praxis gut funktioniert hat.
Was fehlt, ist eine Trageerkennung. Wenn man die Kopfhörer abnimmt, läuft die Musik einfach weiter. Das war bei den CMF Headphones Pro schon so – scheinbar eine Markeneigenheit der günstigeren Modelle. Das ist kein Dealbreaker, aber schade.


Außenseite Kopfhörer (links) | Innenseite Kopfhörer (rechts)
Mikrofon und Telefonie
Kommen wir nun zu den Mikrofonen. Auch hier bin ich positiv überrascht. Die fünf verbauten Mikrofone machen ihre Arbeit gut: Gespräche klangen für mein Gegenüber klar und deutlich, selbst in etwas lauterer Umgebung. Es gab kein Rauschen und keine nervigen Artefakte. Für diese Preisklasse wirklich stark.
Das größte Versäumnis
Bevor ich zum Fazit komme, möchte ich noch einen Punkt ansprechen, der mich wirklich stört: Es gibt keine austauschbaren Ohrpolster.
Das ist eine verschenkte Chance. Ohrpolster nutzen sich mit der Zeit ab, das ist normal. Wenn man ein Produkt für 159 Euro kauft, erwartet man, dass man es auch langfristig nutzen kann. Besonders ärgerlich ist, dass die günstigeren CMF Headphones Pro vom gleichen Unternehmen für weniger Geld austauschbare Ohrpolster haben. Warum ist das hier nicht möglich? Ich habe keine Antwort darauf und finde das wirklich schade. Das ist für mich der größte Kritikpunkt am gesamten Produkt.


Unterseite (links) | Sich-anpassender Metallmechanismus (rechts)
Fazit
Abschließend kommen wir zum Fazit: Die Nothing Headphones (a) sind mit einem Preis von 159 Euro ein richtig starkes Angebot, mit einem großen Aber.
Überzeugt haben uns das einzigartige transparente Kassettendesign, das physische Bedienkonzept mit Lautstärkeregler und Track-Skip-Wippe, der kraftvolle und anpassbare Sound, das gute ANC für den Preis und die schlicht unglaubliche Akkulaufzeit. Auch für ein kabelgebundenes Sounderlebnis ist mit dem 3,5-mm-Klinkenanschluss gesorgt. Damit ist fast alles abgedeckt.
Was stört: Das glänzende Kunststoff bekommt viel zu schnell Kratzer – schon beim ersten Abwischen mit einem Mikrofasertuch. Außerdem gibt es keine Trageerkennung. Vor allem fehlen austauschbare Ohrpolster – das ist bei diesem Preis das größte Versäumnis.
Ich würde sie besonders Casual-Usern, Pendlern und Design-Fans empfehlen. Wer das Nothing-Design liebt, aber nicht 299 Euro für die Headphones (1) ausgeben möchte, ist hier gut aufgehoben. Im Vergleich zu den CMF Headphones Pro klingen sie besser, sehen besser aus und die Steuerung ist durchdachter. Allerdings sind die CMF Headphones Pro in einem wichtigen Punkt voraus: Sie haben austauschbare Ohrpolster.
Wer einen rundum sorglosen Alltagskopfhörer mit großer Ausdauer sucht, wird hier fündig. Wer jedoch Langlebigkeit über Jahre plant, sollte sich das mit den Ohrpolstern gut überlegen.
Nothing Headphone (a)
Kabellose Over-Ear Kopfhörer mit ANC, bis zu 135h Akkulaufzeit, Hi-Res, LDAC, Anpassbare taktile Steuerung.
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