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Erste AR-Brille für Verbraucher kostet 2.195 Dollar
Nach über einem Jahrzehnt Entwicklung und mehr als drei Milliarden Dollar Investition bringt Snap seine erste Augmented-Reality-Brille für Endkunden auf den Markt. Die „Specs" wurden am Dienstag auf der Augmented World Expo 2026 in Los Angeles von Snap-CEO Evan Spiegel offiziell vorgestellt. Die Brille kann ab sofort vorbestellt werden und soll im Herbst in den USA, Großbritannien und Frankreich ausgeliefert werden (Snap Newsroom).
Anders als die bisherigen Spectacles-Modelle, die sich ausschließlich an Entwickler richteten, sind die Specs für den Massenmarkt konzipiert. Der Preis liegt mit 2.195 US-Dollar allerdings auf dem Niveau der Apple Vision Pro und dürfte zunächst vor allem Early Adopter und Technik-Enthusiasten ansprechen (heise online).
Technik und Design
Die Specs sind eine vollständig eigenständige AR-Brille: Sie benötigen weder ein Smartphone noch einen externen „Puck" oder ein Kabel. Zwei Snapdragon-XR-Prozessoren von Qualcomm übernehmen die Rechenarbeit – einer für Computer-Vision-Aufgaben, der andere für die AR-Lenses. Die Motion-to-Photon-Latenz beträgt dabei lediglich sieben Millisekunden, was für ein verzögerungsfreies AR-Erlebnis sorgen soll (Road to VR).
Die Brille nutzt Waveguides und ein proprietäres LCoS-Projektionssystem (Liquid Crystal on Silicon) mit einem Sichtfeld von 51 Grad und bis zu 16 Millionen Farben. Snap vergleicht die Darstellung beim Arbeiten mit einem 24-Zoll-Monitor, beim Medienkonsum mit einer virtuellen 115-Zoll-Leinwand in drei Metern Entfernung. Die Specs kommen in zwei Rahmengrößen (47 und 52 Millimeter) und wiegen je nach Modell zwischen 132 und 136 Gramm – eine deutliche Verbesserung gegenüber den 226 Gramm der Entwicklerbrille Spectacles 5. Gefertigt wird das Gehäuse aus hochfestem TR90-Polymer aus der Schweiz (t3n).
Die Akkulaufzeit gibt Snap mit bis zu vier Stunden bei gemischter Nutzung an. Ein mitgeliefertes Lade-Case bietet vier weitere volle Ladungen, sodass eine Gesamtlaufzeit von bis zu 20 Stunden erreicht wird. Die Steuerung erfolgt über Handtracking, Sprachbefehle oder Touchflächen an den Bügeln. Zudem verfügen die Gläser über eine elektrochrome adaptive Tönung, die sich innerhalb von zehn Sekunden automatisch an die Umgebungshelligkeit anpasst (The Verge).
KI und Software-Ökosystem
Herzstück der Specs ist das Betriebssystem Snap OS 2.0, das speziell für AR-Anwendungen entwickelt wurde. Es ermöglicht KI-gestützte Funktionen wie Echtzeit-Übersetzungen in über 40 Sprachen mittels Automated Speech Recognition, eine Depth Module API, die 2D-Informationen aus großen Sprachmodellen in dreidimensionale AR-Inhalte übersetzt, und die Snap3D API zur KI-generierten Erstellung von 3D-Objekten (Snap OS 2.0 Ankündigung).
Entwickler können auf Integrationen von OpenAI und Google Gemini zurückgreifen, um multimodale KI-Lenses zu erstellen. Bereits jetzt existieren hunderte solcher Anwendungen, darunter Super Travel (Textübersetzung und Währungsumrechnung), Cookmate (Rezeptvorschläge) und Wisp World (interaktive Abenteuer). Ein besonderes Augenmerk legt Snap auf den Datenschutz: Sämtliche Kamerazugriffe laufen über das proprietäre Remote Service Gateway, und eine Aufnahme-LED signalisiert, wann die Kamera aktiv ist (Snap Newsroom 2025).
Der integrierte Browser unterstützt WebXR, sodass AR-Inhalte direkt aus dem Web auf der Brille erlebt werden können. Gemeinsam mit Niantic Spatial arbeitet Snap zudem an einer KI-gestützten Weltkarte für standortbasierte AR-Erlebnisse.
Wirtschaftlicher Hintergrund und Ausblick
Snap steht wirtschaftlich unter Druck. Das Unternehmen strich Anfang des Jahres rund 1.000 Stellen und gliederte die Hardware-Sparte als eigenständige Tochtergesellschaft Specs Inc. aus, um mehr operative Flexibilität zu erreichen. CEO Evan Spiegel bezeichnete die Specs gegenüber der Presse als „Belastungsprobe" für die Zukunft des Konzerns (heise online). Insgesamt flossen nach seinen Angaben mehr als drei Milliarden Dollar in die Entwicklung der AR-Technologie.
Mit den Specs betritt Snap Neuland: Während Meta mit seinen Ray-Ban-Brillen bereits erfolgreich im Markt für KI-Smart-Glasses ist, bieten diese bislang kein AR-Display. Metas fortschrittlichere „Orion"-Brille befindet sich noch in der Entwicklung. Snap hat somit die Chance, als erstes Unternehmen eine vollwertige, eigenständige AR-Brille für Verbraucher auf den Markt zu bringen – muss aber zugleich beweisen, dass die Nachfrage zu diesem stolzen Preis tatsächlich existiert.
Ob und wann die Specs auch in Deutschland erhältlich sein werden, ist bislang nicht bekannt. Vorbestellungen sind ab sofort über specs.com gegen eine Anzahlung von 200 Dollar möglich. Der endgültige Kaufpreis von 2.195 Dollar wird bei Auslieferung fällig, wobei Snap die Anzahlung zurückerstattet.
Quellen
- Snap Inc.: Introducing SPECS Augmented Reality Glasses
- heise online – Snap Specs: Erste echte AR-Brille für Konsumenten kostet 2195 Dollar
- t3n – Computer auf der Nase: Snap bringt AR-Brille für 2.000 Dollar
- The Verge – Snap's first consumer AR glasses are coming this fall for $2,195
- Road to VR – Snap Reveals Next-gen Specs AR Glasses, Priced at $2,200
- heise online – Für neue AR-Brille: Snap gründet Tochterunternehmen