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Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC am 8. Juni 2026 in Cupertino eine grundlegend überarbeitete Version seines Sprachassistenten vorgestellt. Wie ZDFheute berichtete, soll die mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Software „Siri AI" Bildschirminhalte analysieren, für Zusatzinformationen auf das Internet zugreifen und sich besonders tief in den Alltag der Nutzer einbetten. Die eigentliche Pointe für den deutschen Markt liefert allerdings die Verfügbarkeit: Auf iPhone und iPad startet Siri AI in der Europäischen Union vorerst nicht. Hier ein Überblick, was angekündigt wurde – und warum.
Eine neue Siri mit fremdem Gehirn
Siri AI ist laut Apple keine bloße Aktualisierung, sondern ein Neuaufbau des Assistenten. Wie der deutsche Tech-Dienst ComputerBase zusammenfasst, kombiniert Apple dafür seine eigenen, gerätenahen Foundation-Modelle mit den Gemini-Modellen von Google. Auf Deutsch heißt das: Einfache Anfragen sollen weiterhin direkt auf dem Gerät verarbeitet werden, rechenintensive Aufgaben laufen über Apples „Private Cloud Compute" und, wenn nötig, über das lizenzierte Google-Modell.
Funktional rückt Siri damit näher an Chatbots wie ChatGPT oder Gemini heran. Berichten zufolge erhält der Assistent eine eigene App mit gespeicherter Gesprächshistorie, kann persönlichen Kontext aus Nachrichten, Mails, Fotos und Kalender einbeziehen und mehrere Schritte über verschiedene Apps hinweg ausführen. Apple-Softwarechef Craig Federighi sprach laut Mitschriften der Keynote davon, die nächste Generation von Apple Intelligence ausliefern zu wollen. Wichtig für deutschsprachige Nutzer: Siri AI startet zunächst nur auf Englisch, weitere Sprachen sollen folgen. Die übrigen Apple-Intelligence-Funktionen sollen dagegen von Beginn an auf Deutsch verfügbar sein.
Warum das EU-iPhone vorerst leer ausgeht
Für deutsche iPhone-Besitzer ist die entscheidende Nachricht eine Einschränkung. Wie ComputerBase berichtet, verzögert Apple die Veröffentlichung von Siri AI in der EU auf iPhone und iPad auf unbestimmte Zeit, während die übrigen neuen KI-Funktionen mit iOS 27 auch hierzulande verfügbar sein sollen. Als Grund nennt Apple den Digital Markets Act (DMA) – jenes EU-Gesetz, das große Plattformbetreiber unter anderem dazu verpflichtet, ihre Systeme für Dienste von Drittanbietern zu öffnen.
Strittig ist offenbar, wie tief Apple den Assistenten in iOS einbetten darf, ohne konkurrierende Dienste gleichberechtigt zulassen zu müssen. Federighi kündigte laut den Berichten an, man wolle mit den Behörden verhandeln. Nicht ganz so streng trifft es andere Geräteklassen: Mac und Apple Vision Pro sollen Siri AI auch in der EU erhalten, wie Apple gegenüber dem französischen Portal Numerama bestätigt haben soll. Die Apple Watch bleibt dagegen außen vor, weil das gekoppelte iPhone die Funktion in der EU nicht unterstützt. In China erscheint Siri AI laut den Berichten aus regulatorischen Gründen vorerst gar nicht. Einen konkreten Termin für den iPhone-Start in der EU gibt es bislang nicht.
Der Deal mit Google und seine offenen Fragen
Die Grundlage für die neue Siri ist eine Partnerschaft mit Google, die Apple bereits im Januar 2026 geschlossen hat. Über die kommerziellen Details schweigt Apple offiziell. Mehrere Medien, darunter Bloomberg und MacRumors, berichten jedoch übereinstimmend von einem mehrjährigen Lizenzvertrag, der Apple rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr kosten soll; das maßgeschneiderte Gemini-Modell soll demnach etwa 1,2 Billionen Parameter umfassen. Diese Zahlen sind bislang nicht von Apple bestätigt und sollten als Berichterstattung, nicht als gesicherte Spezifikation verstanden werden.
Bemerkenswert bleibt die Allianz so oder so. Apple positioniert seine eigene KI seit Jahren über das Argument Datenschutz, nun läuft ausgerechnet das anspruchsvollste Stück Intelligenz über ein Modell des Wettbewerbers Google. Beobachter weisen darauf hin, dass eine solche KI-Kooperation zusätzlich zum bestehenden Such-Deal beider Konzerne kartellrechtliche Aufmerksamkeit in den USA und der EU auf sich ziehen dürfte. Ob Apple die laufenden Kosten künftig über ein erweitertes Abo-Angebot weitergibt, ist offen, belastbare Aussagen dazu gibt es bislang nicht.
Cooks letzte Keynote
Die WWDC 2026 hatte zudem eine symbolische Note. Es war nach übereinstimmenden Berichten die letzte Keynote unter Tim Cook als CEO; ihm soll zum 1. September Hardware-Chef John Ternus nachfolgen. Der Wechsel fällt damit in den Moment, in dem Apple seine KI-Strategie neu ausrichtet. Vorgestellt wurden außerdem iOS 27 und macOS 27 „Golden Gate" mit diversen Detailverbesserungen. Eine öffentliche Beta wird laut den Berichten für Juli erwartet, vorausgesetzt wird mindestens ein iPhone 15 Pro oder ein Mac mit M1-Chip.
Fazit
Apple liefert mit Siri AI endlich das, was der Konzern schon 2024 in Aussicht gestellt hatte und gibt dabei ein Stück Eigenständigkeit ab, indem es auf Googles Gemini setzt. Für deutsche Nutzer ist das Bild zwiespältig: Die spannendste Funktion bleibt auf dem iPhone zunächst gesperrt, während Mac und Vision Pro sie erhalten sollen. Ob der Verweis auf den DMA eine echte technische Hürde ist oder auch eine Verhandlungsposition gegenüber Brüssel, lässt sich von außen kaum beurteilen. Klar ist nur: Wer in der EU ein iPhone nutzt, wartet weiter. Spannend wird, ob Apple und die EU-Kommission eine Lösung finden – und wie viel von der neuen Siri am Ende wirklich auf Deutsch und auf dem Telefon ankommt.
Quellen
- ZDFheute: „Apple will im KI-Wettlauf aufholen – Siri AI in EU eingeschränkt": https://www.zdfheute.de/wirtschaft/unternehmen/apple-ki-siri-wwdc-eu-einfuehrung-100.html?ref=nice-tektion.de
- ComputerBase: „Apple Intelligence: Siri bekommt massig AI und wird zum Multi-Modal-Agent": https://www.computerbase.de/news/betriebssysteme/apple-intelligence-siri-bekommt-massig-ai-und-wird-zum-multi-modal-agent.97805/?ref=nice-tektion.de
- ComputerBase: „Apple gibt der EU die Schuld: Warum Siri AI vorerst nicht in Europa erscheint": https://www.computerbase.de/news/betriebssysteme/apple-gibt-der-eu-die-schuld-warum-siri-ai-vorerst-nicht-in-europa-erscheint.97819/?ref=nice-tektion.de
- CNBC: „Apple to use Google Gemini to power revamped Siri": https://www.cnbc.com/2026/01/12/apple-google-ai-siri-gemini.html?ref=nice-tektion.de