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Im Mai 2026 erschütterte eine Nachricht die deutsche Batteriebranche: Apple wird seinen Liefervertrag mit dem schwäbischen Hersteller Varta über die CoinPower-Knopfzellen nicht verlängern. Wie unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung und ComputerBase berichteten, will der US-Konzern die wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Zellen für seine AirPods künftig von einem günstigeren chinesischen Anbieter beziehen. Für Varta hat diese Entscheidung weitreichende Konsequenzen – das Werk im bayerischen Nördlingen, das nahezu ausschließlich für Apple produzierte, steht vor dem Aus.

Aus für die AirPods-Fertigung in Nördlingen

Das Werk in Nördlingen war über Jahre hinweg eng mit Apples Erfolg verwoben. Varta fertigte dort die CoinPower-Zellen, die in den kabellosen Kopfhörern des US-Konzerns zum Einsatz kamen. Erst 2022 hatte das Unternehmen die Fertigungsstätte massiv ausgebaut, um der hohen Nachfrage von Apple gerecht zu werden – eine Investition, die sich nun als Fehlspekulation entpuppt. Der Standort war nahezu vollständig von dem einzigen Großkunden abhängig, wie die Zeit berichtet.

Bereits vor dem vollständigen Ausstieg hatte Apple seine Bestellungen reduziert, sodass die Auslastung auf unter 50 Prozent gefallen war. Der Vertrag läuft spätestens im Oktober 2026 aus, danach will Apple keine CoinPower-Zellen mehr von Varta beziehen. Varta-CEO Michael Ostermann kündigte daraufhin die Schließung des Standorts an. Rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren damit ihre Arbeitsplätze.

Preis entscheidend – Qualität auf Augenhöhe

Laut Berichten aus Varta-Insiderkreisen war nicht die Qualität der gefertigten Zellen ausschlaggebend für das Ende der Partnerschaft. Im Gegenteil: Die CoinPower-Zellen des schwäbischen Herstellers hätten mindestens auf Augenhöhe mit der Konkurrenz gelegen, in vielen Fällen seien sie sogar besser gewesen, wie die F.A.Z. unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete. Der entscheidende Faktor war demnach der Preis. Apple will seine Batterien künftig von asiatischen Herstellern beziehen, die deutlich günstigere Konditionen bieten können. Für Varta ist dies ein schwerer Schlag: Das Unternehmen hatte die Preise nicht weiter senken können, ohne die eigene Marge zu gefährden.

Ostermann zeigte sich in einer ersten Stellungnahme betroffen über die Entwicklung. „Leidtragende sind allen voran unsere Mitarbeiter vor Ort, die diese Entwicklung nicht zu vertreten haben“, zitierte ihn die F.A.Z. Man wolle die nächsten Schritte gemeinsam, fair und verantwortungsvoll gestalten. Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sprach gegenüber der Presse von einem „harten Schlag“ für die Region Schwaben.

Varta zwischen Sanierung und Neuanfang

Die Nachricht trifft Varta in einer ohnehin schwierigen Phase. Bereits 2024 hatte der Batteriehersteller ein Sanierungsverfahren im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes durchlaufen, um eine Insolvenz abzuwenden. Im Zuge der Neuaufstellung wurden die Altaktionäre aus dem Unternehmen gedrängt, der Jahresverlust belief sich auf rund 64,5 Millionen Euro. Erst im April 2025 hatte Varta den Abschluss der Restrukturierung verkündet.

CEO Ostermann, der die Führung vor rund zwei Jahren übernommen hatte, arbeitet seither daran, die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden wie Apple zu reduzieren. Trotz des Rückschlags sieht er die Zukunft positiv: Varta sei der größte Hersteller von Lithium-Ionen-Zellen in Deutschland und das Wissen um die Technologie sei vorhanden. Die Geschäftsbereiche für Konsumenten-Batterien und Batteriespeicher entwickelten sich weiterhin zufriedenstellend. Außerhalb der direkt vom Standort Nördlingen betroffenen Stellen seien keine weiteren Entlassungen geplant.

Fazit: Eine zu große Abhängigkeit

Der Fall Varta zeigt exemplarisch, wie riskant eine zu starke Fokussierung auf einen einzelnen Großkunden sein kann. Das Werk in Nördlingen war über Jahre hinweg nahezu vollständig von Apples Aufträgen abhängig – eine strategische Positionierung, die sich nun als fatal erweist. Aus rein wirtschaftlicher Perspektive ist der Schritt Apples nachvollziehbar: Die Wahl des günstigeren Anbieters spart dem Konzern Millionen. Für den deutschen Industriestandort bleibt die Entwicklung dennoch ein herber Rückschlag.

Varta steht nun vor der Aufgabe, die verbleibenden Geschäftsbereiche zu stärken und neue Kunden für die hochspezialisierte Fertigung zu gewinnen. Die Zeit drängt – der Oktober 2026 kommt schneller als erwartet.