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Apple hat eine schwerwiegende Klage gegen OpenAI eingereicht. Der iPhone-Konzern wirft dem KI-Unternehmen systematischen Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vor. In der am Freitag vor dem Bundesbezirksgericht für Nordkalifornien eingereichten Klageschrift beschreibt Apple ein „koordiniertes Muster von Fehlverhalten auf institutioneller Ebene“. Zwei namentlich genannte Ex-Mitarbeiter sollen vertrauliche Hardware-Dokumente abgegriffen und an OpenAI weitergegeben haben, wie aus mehreren übereinstimmenden Berichten hervorgeht.

Die Vorwürfe im Detail

Die Anklageschrift listet mehrere schwerwiegende Punkte auf. Im Kern geht es um gestohlene Design-Dokumente, Fertigungsprozesse und Lieferantendaten, die OpenAI nach Überzeugung Apples dazu nutzen will, sein eigenes KI-Hardware-Gerät zu entwickeln. Allein der Umfang der Abwerbung ist beachtlich: Mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter arbeiten inzwischen bei OpenAI, wie aus der Klageschrift hervorgeht.

Konkret soll ein ehemaliger Apple-Ingenieur seinen Firmenlaptop nach dem Ausscheiden behalten haben. Über eine Authentifizierungslücke habe er weiterhin auf Apples internen Netzwerkspeicher zugreifen können – und dort Dutzende vertraulicher Dateien mit technischen Spezifikationen, Produktplänen und Fertigungsdaten heruntergeladen. Diese soll er mit OpenAI-Bewerbern geteilt haben.

Darüber hinaus sollen OpenAI-Mitarbeiter einen Apple-Zulieferer unter falschen Tatsachen dazu gebracht haben, eine geheime Metallveredelungstechnik anzuwenden – offenbar im Auftrag von OpenAIs Hardware-Abteilung.

Zwei Ex-Mitarbeiter im Fokus

Apple benennt in der Klage zwei frühere Schlüsselkräfte namentlich. Tang Tan war 24 Jahre bei Apple und hat als Vizepräsident das Produktdesign von iPhone und Apple Watch mitverantwortet. Heute ist er Chief Hardware Officer bei OpenAI. Chang Liu war acht Jahre lang Elektroingenieur bei Apple, bevor er Anfang 2026 zu OpenAI wechselte.

Laut Klageschrift soll Liu nicht nur selbst Daten kopiert, sondern auch eine weitere Apple-Ingenieurin, die sich bei OpenAI bewarb, dazu ermutigt haben, vor ihren Vorstellungsgesprächen vertrauliche Apple-Unterlagen zu kopieren. Die Unterhaltungen verlagerte das Duo demnach in eine private Messaging-App, um nicht entdeckt zu werden. Tan wiederum soll vertrauliche Codenamen genutzt und ausscheidende Kollegen zum Umgehen der Sicherheitsvorkehrungen angeleitet haben.

OpenAIs ehrgeizige Hardware-Pläne

Hinter dem Rechtsstreit steckt OpenAIs ambitioniertes Hardware-Projekt. Das Unternehmen hatte 2025 die Gerätefirma io von Jony Ive für rund 6,5 Milliarden US-Dollar übernommen. Ive war zuvor langjähriger Apple-Designchef und maßgeblich an iPhone, iPad und Apple Watch beteiligt. OpenAI entwickelt ein KI-Gerät, das herkömmliche Apps durch einen KI-Assistenten ersetzen soll – eine direkte Konkurrenz zu Apples eigenem Ökosystem.

Apple hatte OpenAI einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge bereits im Februar 2025 abgemahnt. Die Aufforderung blieb unbeantwortet. Nun fordert Apple Unterlassung und Schadenersatz.

Ein bekanntes Muster im Silicon Valley

Der Fall ist kein Einzelfall. Apple hatte bereits 2022 gegen das Chip-Start-up Rivos geklagt, nachdem rund 50 Ingenieure abgewandert waren. Mit den zentralen Vorwürfen scheiterte Apple damals allerdings vor Gericht, weil sich konkret entwendete Geheimnisse nur schwer nachweisen ließen, wie Dr. Web berichtet.

Einen spektakulären Erfolg erzielte dagegen die Google-Tochter Waymo im Fall gegen Uber: Der Ex-Ingenieur Anthony Levandowski hatte wohl rund 14.000 Dateien zur Lidar-Technik mitgenommen. Am Ende zahlte Uber rund 244 Millionen US-Dollar, Levandowski wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt. Im Silicon Valley sind nachvertragliche Wettbewerbsverbote weitgehend unwirksam, sodass Unternehmen vor allem auf das Geschäftsgeheimnisrecht angewiesen sind.

Was bedeutet die Klage für OpenAI?

Die Klage kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für OpenAI. Das Unternehmen bereitet einem Bericht von t-online zufolge seinen Börsengang vor. Ein laufender Prozess mit einem der wertvollsten Unternehmen der Welt könnte diese Pläne erheblich erschweren.

OpenAI wies die Vorwürfe umgehend zurück. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte gegenüber Business Insider, man habe „kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen“. Ob Apples Vorwürfe vor Gericht Bestand haben, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Fest steht: Der Fall könnte Signalwirkung für den gesamten Tech-Sektor haben – insbesondere für den Umgang mit abwandernden Führungskräften und deren Wissenstransfer zur Konkurrenz.